Europäische Kooperation

Gründungserklärung

ENSIE

Der wirtschaftliche, soziale und politische Preis von Massenarbeitslosigkeit ist hoch. Wieviel Erwerbslosigkeit, wieviel soziale Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Unsicherheit verträgt eine Gesellschaft, bevor der Kitt des sozialen Konsens zerbricht?

Setzt man dagegen auf den Zugang zu Arbeit, Bildung und Qualifikation, so macht das Sinn für alle: für den einzelnen Bürger, das Gemeinwesen, für die Gesellschaft insgesamt.

Wir haben uns zu einem Netz der sozialen und Integrationsbetriebe in Europa zusammengeschlossen. Wir wollen dazu beitragen, daß alle Männer und Frauen durch Beschäftigung und Qualifizierung ihr Recht auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und am Wirtschaftskreislauf ausüben können.

Vor unseren Augen verändert sich die Arbeitswelt. Die Erwerbsarbeit entwickelt sich von der Industriearbeit zur Kommunikations-, Informations- und Dienstleistungsarbeit; Routinearbeiten nehmen weiter ab. Neue Beschäftigungsformen sind auf dem Vormarsch, Brüche in der Erwerbsbiografie, bisher weibliches „Privileg“, werden zur Normalität. Die Erwerbsarbeit heute und morgen ist anspruchsvoller als einst; sie fordert den ganzen Menschen, mehr selbständiges Handeln und bessere Qualifikation.

Für eine wachsende Zahl von Menschen bedeutet der Wandel der Arbeit in erster Linie ein erhöhtes Risiko. Aufgrund mangelnder Qualifikation, fehlender Bildungsabschlüsse oder Sprachkenntnisse und wegen zusätzlicher Schwierigkeiten durch ihren Gesundheitszustand oder ihre persönliche Problemlage sind sie ohne eine gezielte und individuell adäquate Unterstützung nicht in der Lage, den gewachsenen Anforderungen des Arbeitsmarkts zu entsprechen. Manche sind nach Jahren der Ausgrenzung so gezeichnet, daß eine Rückkehr auf den Arbeitsmarkt für sie sogar völlig aussichtslos erscheint.

Die im europäischen Dachverband zusammengeschlossenen Netzwerke sozialrn Unternehmen und Initiativen bekämpfen die Ausgrenzung, indem sie diesen Menschen Beschäftigung und Qualifizierung anbieten. Sie unterstützen ihre soziale und berufliche Integration durch befristete Arbeit und Qualifizierung als Brücke für die Vermittlung in den Arbeitsmarkt oder durch die Schaffung von Dauerarbeitsplätzen im Rahmen von Sozialbetrieben.

Mit unseren Unternehmen möchten wir aktiv zur Prävention dauerhafter Ausgrenzung beitragen. Dabei setzen wir auf das Selbsthilfepotential der Menschen, auf Partizipation und zivilgesellschaftliche Verantwortung. Wir plädieren für eine gerechte Verteilung der Arbeit zwischen Männern und Frauen. Wir wollen den sozialen Wandel in unseren Ländern begleiten, Ressourcen bündeln und die solidarischen Integrationskräfte in den Regionen, Kommunen und Quartieren nutzen.

Wir sind Teil der europäischen Wirtschaft. Unsere Beschäftigten schaffen sinnvolle, nützliche Produkte und Dienstleistungen von hohem Wert. Sie unterstützen die Strukturentwicklung in ihren Regionen und stärken die Kaufkraft. Oft in Kooperation mit gewerblichen Unternehmen erkunden und entwickeln sie zusätzliche Märkte und leisten so einen Beitrag zur Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen in der Wirtschaft. Auf der Suche nach Marktnischen sind die sozialökonomischen Betriebe nicht selten Schrittmacher für nachhaltiges Wirtschaften und Erfinder sozialer Innovationen.

In vielerlei Hinsicht unterscheiden sich die Sozial- und Integrationsunternehmen in Europa. Arbeitsmarktpolitische Bedingungen, Förderinstrumente, Unternehmensphilosophien und Methoden der individuellen Begleitung sind verschieden, und diese Vielfalt bereichert Europa. Was sie jedoch eint, ist das Ziel und der Wille, durch marktnahe Beschäftigungs- und Ausbildungsangebote die Chancen dafür zu erhöhen, daß alle am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen System teilhaben können.

Mit dieser Zielsetzung wissen wir uns in voller Übereinstimmung mit dem Rat und der Kommission der Europäischen Gemeinschaft.