NeWET

Weiter- und Wiederverwendung von Elektro(nik)geräten und ihren Teilen
Die Sammlung, Aufbereitung, Wiederverwendung von und der Handel mit Gebrauchtwaren bietet in vielerlei Hinsicht, insbesondere in seiner Verbindung ökonomischer, ökologischer und sozialer Zielsetzungen, ein geeignetes Feld für arbeitsmarktpolitische Integrationsprojekte.

Die Recyclingbetriebe und Fachwerkstätten aus dem Bereich der geförderten Arbeit entwickelten in den letzten Jahren ein stetig wachsendes Entsorgungs- und Verwertungs-Know-how. Produktrecycling ist bei diesen Verwertern stärker in den Vordergrund gerückt, nicht zuletzt angesichts der wachsenden Nachfrage nach günstiger, aber dennoch qualitativ hochwertiger Ware, sondern auch aufgrund der Qualifizierungsmöglichkeiten in diesem Bereich und der damit verbesserten Chancen, benachteiligte Personengruppen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Gerade die Wieder- und Weiterverwendung von Elektro(nik)altgeräten und ihre hochwertige Verwertung ist als interessantes Wirtschaftsfeld für professionell arbeitende Sozialbetriebe erkannt.

Als Partner der Kommunen versorgen Sozialbetriebe heute z.B. die Sozialämter mit Gebrauchtgeräten oder vertreiben Gebrauchtgeräte über Second-hand-Kaufhäuser. Mit ihrer erworbenen Kompetenz erwirtschaftet eine wachsende Zahl von Verwertern einen hohen Teil ihrer Mittel selbst bzw. die Betriebe stehen an der Schwelle zur Wirtschaftlichkeit und sind am Markt tätig.
Andererseits ist aber auch zu beobachten, dass sich die Betriebe auf dem Entsorgungsmarkt mit einer negativ entwickelnden wirtschaftlichen Situation auseinandersetzen.
Die Weiterentwicklung echter Verwertungsstrategien, die geeignet sind, die Rentabilität zu steigern, sind für diese Unternehmen gegenwärtig die wichtigste Zukunftsaufgabe.

Die bag arbeit hat eine Reihe von Initiativen entwickelt, die Bedingungen und Voraussetzungen zur Verstetigung und den weiteren Ausbau dieses Marktsegmentes für sozialökonomische Betriebe positiv zu beeinflussen und die Zusammenarbeit der Betriebe zu fördern (z.B. Arbeit der Fachgruppe Gebrauchtwarenhandel; Projekt „3. System und Beschäftigung“, Aufbau des Europäischen Netzwerks „RREUSE“ und aktive Teilnahme an der Diskussion um die Europäische Richtlinie WEEE).

U.a. war sie Mitinitiator für das Projekt „NeWET“ zur Entwicklung eines Netzwerks „Weiter- und Wiederverwendung von Elektro(nik)geräten und ihren Teilen“. In diesem Vorhaben sind die weiteren Projektpartner die Brandenburgische Technische Universität (Lehrstuhl für Neuwertwirtschaft), die Kreislauf- und Verwertungsagentur KVA, ASWO als europaweit agierendes Vertriebsunternehmen für Ersatzteile, das Institut für Produktdauerforschung und die Vangerow System Werkstätten als Partner des Handwerks sowie die Verwertungsbetriebe Werkstatt Franfurt e.V., ZAUG Recycling GmbH und ZEUS GmbH.

Anliegen der Verbundpartner ist es, durch den Aufbau eines Netzwerkes die Nutzungsdauer von Geräten der Elektro(nik)branche zu verlängern. Ausgehend von der weißen Ware wollen die Partner beispielhaft zwischen Verwertungsfachbetrieben und dem Handwerk ein Netz aufbauen, das ökonomisch, organisatorisch, technisch, logistisch und qualifikatorisch die Kreislaufwirtschaft für Produkte der Elektro(nik)branche auf eine höhere Stufe hebt.

Ziel des Vorhabens ist es also, unter Einbindung der Sozialwirtschaft eine innovative systemische Vernetzung von Wirtschaftspartnern herbeizuführen, die durch den unternehmensübergreifenden Aufbau neuer Nutzungsregime wesentlich zur Ressourcenschonung beitragen kann. Bisher existieren in der deutschen Wirtschaft keinerlei systemische Vernetzungen zwischen jenen Betrieben, die auf die Rückgewinnung von Ersatzteilen spezialisiert sind, jenen, die die Verteilung von Ersatzteilen betreiben und den Verwertern von Ersatzteilen, den Werkstätten.

In einer ersten Projektphase waren die Bedingungen zu untersuchen, unter welchen der Aufbau eines Netzwerkes für die Gewinnung und den Vertrieb von Austauschteilen möglich ist. In einer zweiten Phase von NeWET soll das Netzwerk praktisch operationalisiert werden.

Wie gesagt, will der beschriebene Wirtschaftbereich aus Altgeräten Ersatzteile für elektrische und elektronische Geräte gewinnen und diese Austauschteile nach einer geeigneten Aufarbeitung dem Reparaturmarkt zur Verfügung stellen.
Die Effekte eines solchen Angebotes an den Reparaturmarkt wären, dass
 mit den Austauschteilen preiswerte Ersatzteile für kostengünstigere Reparaturen zur Verfügung stünden und damit eine Vielzahl von Reparaturen möglich werden, die bisher aus Kostengründen oder wegen fehlender Ersatzteile von den Konsumentinnen nicht beauftragt werden.
 Damit einher geht Aufbau von Arbeitsplätzen im Dienstleistungssektor bei Verwertern und Reparaturwerkstätten
 Die daraus resultierende Verlängerung der Nutzungsdauer von Produkten trägt zu einer Ressourcenschonung bei.

In der ersten Projektphase wird deshalb die Machbarkeit eines entsprechenden Netzwerkes hinsichtlich seiner Wirtschaftlichkeit, seiner Wettbewerbsfähigkeit, der Organisierbarkeit, der Ökologieeffekte, der Beschäftigungseffekte und seiner rechtlichen Konformität geprüft.

Die Untersuchung zur Organisation der Netzwerkarbeit dient auch der Erstellung von Workflows für die Gewinnung und Aufarbeitung ausgewählter Austauschteile. Die beispielhafte Erprobung dieser Workflows in Verbindung mit REFA-Untersuchungen zeigt, dass die Gewinnung von Austauschteilen zu wirtschaftlichen Konditionen möglich ist, die es erlauben, diese Austauschteile durchschnittlich zu 50 % des Marktpreises von neuen Ersatzteilen anzubieten.

Hinsichtlich der ökologischen Effekte beim Einsatz von Austauschteilen haben beispielhafte Untersuchungen an Waschmaschinenreparaturen gezeigt, dass selbst bei solchen Produkten mit hohem Ressourcenverbrauch während der Nutzungsphase und noch deutlichen technologischen Verbesserungspotenzialen der Einsatz von Austauschteilen und die entsprechende Verlängerung der Nutzungsphase ökologisch sinnvoll ist.

Der Aufbau eines entsprechenden Marktsegmentes für die Gewinnung und den Einsatz von Austauschteilen wird positive Auswirkungen auf die Arbeitsplatzsituation haben.
Im Handwerk werden zusätzliche Beschäftigungseffekte generiert, da aufgrund der Verfügbarkeit von Austauschteilen anstelle von fehlenden Ersatzteilen bzw. aufgrund der Kostenreduzierung der Reparaturen zusätzliche Reparaturen möglich werden.
Erste Abschätzungen bezogen auf den gesamten Reparaturmarkt der weißen, grauen und braunen Ware lassen die Schaffung von schätzungsweise 1.200 zusätzlichen Facharbeiterstellen in Deutschland möglich erscheinen, wenn ein entsprechendes Netzwerk für die Gewinnung und Verwendung von Austauschteilen aufgebaut ist.
Entsprechende Beschäftigungseffekte ergeben sich auch auf Seiten der Verwerter. Hier kann mit einem Zuwachs der derzeitigen Arbeitsplatzanzahl um mindestens 600 gerechnet werden.

Das Konzept eines entsprechenden Netzwerkes, das gezielt die am Markt nachgefragten Ersatzteile aus Gebrauchtgeräten gewinnt, sie arbeitsteilig aufarbeitet und über vorhandene Betriebsstrukturen in den Markt einspeist, ist hinsichtlich seiner Organisation umsetzbar. Dessen marktnahe Betriebsstruktur, die auf einen europaweiten Verbund als Basis aufbauen kann und produkt- und herstellerübergreifende Sortimente anzubieten vermag, zeichnet sich durch ein hohes synergistisches Know-How im Ersatzteilgeschäft und durch eine hohe Systemflexibilität aus, die allen z. Z. diskutierten Gesetzgebungsinitiativen gerecht werden kann.

Insbesondere den Produktherstellern als potenziellen Kunden kann das Netzwerk ein kostengünstiges und flächendeckendes Sammelsystem anbieten im Sinne einer unmittelbaren und hochqualifizierten Umsetzung der im Gesetzgebungsverfahren befindlichen europäischen Richtlinie zum Umgang mit Elektroaltgeräten (WEEE).
Darüber hinaus kann den Herstellern eine Entlastung bei der Ersatzteilwirtschaft insofern geboten werden, dass eine frühere Einstellung der Nachproduktion von Ersatzteilen vorgenommen und dementsprechend auch die Lagerwirtschaft deutlich reduziert werden kann.

Bereits in der gegenwärtigen Projektphase wird deutlich, dass durch die hohen Synergieeffekte innerhalb eines solchen Netzwerkes, die hohe Systemflexibilität, die kostengünstigen dezentralen und kundennahen Strukturen sowie durch die Möglichkeit eines hohen Grades an Spezialisierung und Arbeitsteilung die nachgewiesenen Wirtschafts- und Arbeitsplatzpotenziale in einer besonders vorteilhaften Art und Weise aktiviert werden können.

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letzte Änderung: 08.09.2010