27. März 2018 | Arbeitslosigkeit | Aufstocker

Jede/r Zehnte muss aufstocken

Rund 76.000 AufstockerInnen zählte die Bundesagentur für Arbeit bis Oktober 2017. Vor allem Frauen und unter-25-Jährige erhalten unterdurchschnittlich viel Arbeitslosengeld.

Liegt der Anspruch auf Arbeitslosengeld aus der Arbeitslosenversicherung unter dem Existenzminimum, können ArbeitslosengeldempfängerInnen aufstockende Hartz-IV-Leistungen beantragen.

O-Ton Arbeitsmarkt berichtet: Verliert ein ArbeitnehmerInnen seine Beschäftigung, kann er bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) Arbeitslosengeld I beantragen. Das Arbeitslosengeld I ist eine Versicherungsleistung. ArbeitgeberInnen und Arbeitnehmende zahlen ein, um den Arbeitgeber im Falle eintretender Arbeitslosigkeit bis zu ein Jahr lang (bei älteren Arbeitslosen bis zu 24 Monate) finanziell abzusichern. Er erhält dann 60 Prozent des letzten Nettogehalts.

Doch nicht bei allen vormals Beschäftigten reicht das Arbeitslosengeld I zum Leben aus. Liegt der Anspruch von Arbeitslosengeld I unter der Grundsicherungsschwelle, kann zusätzlich ein Antrag auf Arbeitslosengeld II („Hartz IV“) nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch gestellt werden. Zwischen November 2016 und Oktober 2017 gab es in Deutschland rund 76.000 Doppelbezieher von Arbeitslosengeld I und Hartz IV.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Zahl der DoppelbezieherInnen rückläufig

In diesem Zeitraum bezog somit fast jede/r zehnte EmpfängerIn von Arbeitslosengeld I aufstockende Hartz-IV-Leistungen. Die Zahl der Doppelbeziehenden hat allerdings mit einem Anteil von 9,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwischen November 2015 bis Oktober 2016 leicht abgenommen. Im Vorjahreszeitraum lag der Anteil der Doppelbeziehenden an allen Empfängern von Arbeitslosengeld I noch bei 9,7 Prozent.

Der Grund für einen nicht ausreichenden Anspruch auf Arbeitslosengeld I ist ein zu geringes vorausgehendes Gehalt. Da sich die Höhe des Arbeitslosengeld I als Versicherungsleistung an der Höhe des vorangehenden Lohns orientiert, ist es vom Stundenlohn oder dem Stundenumfang des vormaligen Arbeitsverhältnisses abhängig.

Wenig Arbeitslosengeld für Jüngere und Frauen

Besonders Frauen und unter-25-Jährige haben häufig nur einen geringen Anspruch auf Arbeitslosengeld I. Frauen erhielten im Jahr 2017 rund 15 Prozent und unter-25-Jährige 38 Prozent weniger Arbeitslosengeld als der allgemeine Durchschnitt.  Der allgemeine durchschnittliche monatliche Anspruch auf Arbeitslosengeld I belief sich im Jahr 2017 auf 933 Euro.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Dies spiegelt einerseits geschlechtsspezifische Verdienst- und Beschäftigungsunterschiede wider. Andererseits hängt der geringe Anspruch von unter-25-Jährigen mit den (noch) kurzen Beschäftigungsdauern und der Art der Beschäftigung von Jüngeren zusammen. Diese stehen noch am Anfang ihres Erwerbslebens und haben auch bereits nach dem Ende einer dualen Ausbildung einen (geringen) Anspruch auf Arbeitslosengeld I.

Ein geringer Anspruch auf Arbeitslosengeld I bedeutet nicht zwingend, dass betroffene Personen mit Hartz IV aufstocken wollen oder können, zum Beispiel, wenn sie von Mitgliedern ihrer Bedarfsgemeinschaft finanziell unterstützt werden können. Dennoch führen unzureichende Gehälter dazu, dass der Staat diese in vielen Fällen nicht nur während, sondern auch nach einer Beschäftigung in Form von Hartz-IV-Leistungen ausgleichen muss.

Wir berichteten:
Caritas und BAG IDA: Förderung, Weiterbildung und Teilhabe am Arbeitsmarkt für alle | 19. März 2018
Grüne fordern Sozialen Arbeitsmarkt | 19. März 2018

 

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