26. April 2018 | öGB | Aufstocker

Aufstocker: Trotz Arbeit im Hartz-IV-Bezug

In den letzten drei Jahren ist die Zahl der Aufstocker deutlich gesunken. Doch die Zahl der Vollzeitbeschäftigten im Hartz-IV-Bezug wächst aktuell wieder, vor allem bei Alleinstehenden.

O-Ton Arbeitsmarkt berichtet: Im Jahr 2017 bezogen fast 1,16 Millionen Menschen trotz Einkommen aus Erwerbsarbeit Hartz-IV-Leistungen. Wie die Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) verrät, waren rund 580.000 von ihnen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, knapp 380.000 arbeiteten sogar in Vollzeit. Rund 193.000 der sogenannten „Aufstocker“ waren ausschließlich geringfügig beschäftigt (Minijobber).

Jeder Sechste in Vollzeit tätig

Obwohl die Zahl der Aufstocker seit 2013 kontinuierlich gesunken ist, ist die Zahl derer, die trotz Verdienst aus sozialversicherungspflichtiger Arbeit Hartz-IV-Leistungen beziehen, angestiegen. Rund die Hälfte der Aufstocker geht einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nach. Erstmals ist auch die Zahl der vollzeitbeschäftigten Aufstocker wieder angestiegen. 2017 arbeitete durchschnittlich rund jeder sechste Aufstocker in Vollzeit.


Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Geringfügige Beschäftigung im Hartz-IV-System ist hingegen seit mehreren Jahren rückläufig: Waren 2014 noch knapp 36 Prozent der Aufstocker ausschließlich als Minijobber tätig, lag ihr Anteil 2017 nur noch bei knapp 33 Prozent. Der Rückgang bei den Aufstockern und insbesondere in der Gruppe der Minijobber hängt vermutlich auch mit der Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015 zusammen (O-Ton berichtete).

Mehr Alleinstehende trotz Vollzeit im Hartz-IV-Bezug

Ein Blick auf die Haushaltsgröße der Aufstocker zeigt: Der Zuwachs bei den Vollzeitbeschäftigten ist nicht auf die Haushaltsgröße zurückzuführen. Auch für Beschäftigte, die nur sich selbst von ihrem Einkommen ernähren müssen, reicht das Einkommen aus Vollzeitarbeit immer häufiger nicht aus.



Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Darstellung O-Ton Arbeitsmarkt.

Der Anteil der Hartz-IV-Empfänger, die trotz Vollzeitarbeit Grundsicherungsleistungen beziehen, ist unter Alleinstehenden sogar am stärksten gestiegen – ein klares Indiz für unzureichende Löhne. Nach der Einführung des Mindestlohns war die Zahl derer, die trotz Vollzeittätigkeit mit Hartz IV aufstocken mussten, zunächst weiter gesunken. Am aktuellen Rand steigt sie aber wieder deutlich an. Im August 2017 waren 2,9 Prozent der Hartz-IV-Empfänger in Single-Haushalten in Vollzeit beschäftigt.

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