13. Juni 2018 | ögB | Arbeitsmarktpolitik

Lehren aus früheren Programmen

Eine Auswertung der bisherigen Programme Sozialer Arbeitsmarkt, lässt Andreas Hammer wichtige Schlüsse für zukünftige Vorhaben ziehen. 

Das von der Bundesregierung verabredete Regelinstrument „Teilhabe am Arbeitsmarkt für alle“ ist inzwischen in den Grundzügen bekannt. Lohnenswert ist ein Blick zurück auf andere Programme des Bundes, die mehr oder weniger mit einem sozialen Arbeitsmarkt oder sozialer Teilhabe in Verbindung stehen. Aus den damit gemachten Erfahrungen könnten Lehren für das neue Instrument gezogen werden.

Hier vergleicht Andreas Hammer: Sozialer Arbeitsmarkt – Lehren aus früheren Programmen und  fasst aus den Erfahrungen wichtige Hinweise für das Design künftiger Programme zusammen:
 

  • Das Programmdesign beeinflusst die Programmnutzung
  • Mit Ausnahme des Programms der Sozialen Teilhabe am Arbeitsmarkt hatten alle Programme das Problem, dass sie sehr schleppend angelaufen sind, die Planzahlen nur schwer erreichbar bzw. unter Änderung des Programmdesigns erreichbar waren. Und immer waren die Zielgruppendefinitionen sehr restriktiv in der Handhabung. Bei Programm Soziale Teilhabe waren die Platzzahlen schneller realisiert als in anderen Programmen, allerdings unter Umständen deshalb, weil die Programmbedingungen nicht eingehalten wurden.
  • Für künftige Instrumente oder Programme sollte nicht ausschließlich über die Zielgruppendefinition, sondern auch über die Förderquote gesteuert werden.
  • Künftige Programme und Instrumente sollten Steuerungsmöglichkeiten gegen Creaming vorsehen.Die Ursachen dafür sollten ausgewertet werden.
  • Es gibt Jobcenter mit sehr hohen Abbruchquoten: Was ist da falsch gelaufen? Welche Qualität und Nutzen hatten hier die Betriebsakquisiteure, die für die passgenaue Zusteuerung von Arbeitslosen zu Arbeitgebern zuständig waren, und die Coaches , die für die Stabilisierung und Abbruchvermeidung verantwortlich sind?
  • Die Politik muss der örtlichen Ebene (z. B.über den SGB II Beirat) auch die entsprechenden Ermessensräume für Entscheidungen geben.
  • Angesichts nicht immer zu vermeidenden Abbrüche ist die Dauer des Leistungsbezugs das bessere Zugangskriterium zu Programmen und Instrumenten als die Dauer der Arbeitslosigkeit.
  • Aktuell wird im Koaliationsvertrag ein Förderbedarf für 150.000 Personen gesehen. Auch ist wieder ein eng begrenzter Personenkreis vorgesehen. 150.000 ist allerdings eine Bruttozahl. Würde man jahresdurchschnittich 37.500 Eintritte in einer 4-jährigen Legislatur annehmen, dann wäre es per Saldo weniger Plätze als bisher. Berücksichtigt man die beiden auslaufenden Programme (ESF-LZA-Programm, Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt mit 30.000 bzw. 20.000 Plätzen) msste der Bedarf entsprechend erhöht werden auf 200.000.

Wir berichteten
Regelinstrument 16i, SGB II - Teilhabe am Arbeitsmarkt für alle | 30. Mai 2018
Viele Betriebe würden auch Langzeitarbeitslose einstellen | 15. Mai 2018

zurück
English