12. Juni 2018 | Arbeitsmarkt | Integration

Ethnische Diskriminierung auf dem deutschen Arbeitsmarkt

Ergebnisse einer WZB-Studie: Kulturelle Distanz erklärt Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt.

Ethnische Diskriminierung auf dem deutschen Arbeitsmarkt variiert je nach Herkunftsland stark, auch unter Bewerbern, die in Deutschland geboren sind. Viele junge Menschen mit Migrationshintergrund, deren Eltern etwa aus europäischen oder ostasiatischen Ländern stammen, haben kaum Nachteile. Dagegen sind die Chancen für Menschen mit Wurzeln in Afrika oder in muslimischen Ländern  weitaus schlechter. Als Hauptgrund für ethnische Diskriminierung nennen die Autoren kulturelle Distanz, die zur Ablehnung führt. Ein Forscherteam des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) hat erstmals detailliert für 34 Herkunftsländer die Ursachen von Diskriminierung untersucht.
 Dass Bewerber mit Migrationshintergrund weniger Chancen haben, war bereits aus anderen Studien bekannt. Die Analysen der WZB-Studie zeigen erstmals detailliert: Während Bewerber aus manchen Herkunftsländern erheblicher Arbeitsmarktdiskriminierung ausgesetzt sind, unterscheiden sich die Chancen anderer Gruppen nicht wesentlich von denen der Bewerber ohne Migrationshintergrund. Bewerber mit spanischen Wurzeln werden sogar bevorzugt. Diese Tabelle zeigt die Hierarchie der Bewerber aus den verschiedenen Herkunftsländern.
 Arbeitgeber stützen ihre Auswahlentscheidung weniger auf Leistungs- und Produktivitätsunterschiede zwischen Gruppen („statistische Diskriminierung“), sondern eher auf Kultur und Werte, die sie mit der Gruppenzugehörigkeit verbinden („präferenzbasierte Diskriminierung“). Bewerber mit Migrationshintergrund werden nur dann benachteiligt, wenn die Werte der Menschen im Herkunftsland stark von denen der Deutschen abweichen. Bewerber, die aus Ländern mit Werten stammen, die den deutschen Durchschnittswerten ähnlich sind, werden dagegen kaum diskriminiert. Auch die Diskriminierung von Bewerbern mit einem schwarzen Phänotyp und von Muslimen lässt sich besser über Werteunterschiede als über Leistungsdifferenzen erklären. Muslimische Bewerber und Bewerber mit schwarzem Phänotyp erhalten sieben Prozent weniger positive Rückmeldungen auf ihre Bewerbungen im Vergleich zu weißen und christlichen Bewerbern. Dagegen gibt es keine Hinweise auf Diskriminierung von Menschen mit einem asiatischen Aussehen oder einer hinduistischen oder buddhistischen Religionszugehörigkeit.


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