Deutschlands Arbeitsmarkt: Viel besser wird es nicht

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Deutschlands Arbeitsmarkt ist nach über 15 guten Jahren an einem Höhepunkt angekommen. Ein Rückgang der Anzahl der Erwerbspersonen bis 2030 wird voraussichtlich nicht zu verhindern sein. Es erscheint unwahrscheinlich, dass es in den wenigen zur Verfügung stehenden Jahren gelingen wird, eine große Anzahl Zuwanderer aus Drittländern zu attrahieren und gleichzeitig die Erwerbsbeteiligung auf neue Rekordwerte zu steigern. Das heißt allerdings nicht, dass der Versuch, unterbleiben sollte, die Effekte abzumildern. Erforderlich ist eine Zuwanderungspolitik, die zum Beispiel monatelange Verzögerungen bei der Erteilung von Visa zur Einreise beseitigt oder die die Expertise der Zeitarbeit bei der Rekrutierung von Fachkräften nutzt, statt sie gesetzlich zu untersagen. Effektive Maßnahmen zur Erhöhung der Erwerbsbeteiligung sind nicht einfach zu identifizieren. Ein Ausbau der Kinderbetreuungsinfrastruktur könnte es Eltern erleichtern, einer Beschäftigung – auch in Vollzeit – nachzugehen. Großes Potenzial hätte eine Erhöhung des Renteneintrittsalters. Solche Reformen haben indes in der Regel einen langen Vorlauf und können – selbst wenn es einen dahingehenden politischen Konsens gäbe – die Lage bis 2030 mutmaßlich nicht mehr entspannen. Die Arbeitszeit ist Sache der Tarifpartner, die Politik kann hier allenfalls den Rahmen gestalten. Bisher allerdings wurden die Anreize eher in Richtung Arbeitszeitverkürzung gesetzt – hier ist ein Umsteuern erforderlich.

IW-Kurzbericht: Viel besser wird es nicht – Deutschlands Arbeitsmarkt am Höhepunkt | Holger Schäfer

 

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