Der Arbeitsmarktexperte Andreas Hammer hat die aktuelle Entwicklung der Eingliederungsmittel der Jobcenter ausgewertet. Seine Analyse zeigt, dass die für die aktive Arbeitsmarktpolitik bereitgestellten Mittel zunehmend nicht unmittelbar für Eingliederungsleistungen eingesetzt werden.
2025 gaben die Jobcenter rund 2,8 Milliarden Euro für Eingliederungsleistungen aus. Das entsprach 68 Prozent des ursprünglichen Budgets von 4,1 Milliarden Euro. Von 2020 bis 2024 hatte die Ausschöpfung noch zwischen 80 und 88 Prozent gelegen.
Für 2026 zeichnet sich nach Hammers Berechnungen eine nochmals geringere Ausschöpfung ab: Von Januar bis Juli wurden rund 1,54 Milliarden Euro eingesetzt. Bei gleichbleibendem Mittelabfluss könnten die Ausgaben im Gesamtjahr bei lediglich 2,6 bis 2,7 Milliarden Euro liegen.
Ein wesentlicher Grund für die geringe Ausschöpfung ist die Umschichtung von Eingliederungsmitteln zur Finanzierung der Verwaltungskosten der Jobcenter. Hammer weist allerdings darauf hin, dass dies die Entwicklung 2026 voraussichtlich nicht vollständig erklärt. Er regt daher an, auch die Vergabepraxis und die Situation der Träger genauer zu betrachten.
Kritisch thematisiert der Beitrag zudem die geplante Möglichkeit, 2027 bis zu 58 Millionen Euro aus nicht genutzten Eingliederungsmitteln für die berufsbezogene Deutschsprachförderung einzusetzen. Auch der Bundesrechnungshof kritisiert, dass der Eingliederungstitel zunehmend zur Finanzierung anderer Aufgaben herangezogen wird.
Eingliederungsmittel für Arbeitsuchende als Deckungsreserve? Andreas Hammer, 18. September 2026
