Am 2. April 2026 stand die Recyclingbörse in Herford im Zeichen eines intensiven fachlichen Austauschs. Alina Simon, Geschäftsführerin der bag arbeit, war zu Gast, um sich ein persönliches Bild von der Arbeit vor Ort zu machen. Empfangen wurde sie von Claudio Vendramin, der sie mit großer Offenheit und spürbarer Leidenschaft durch den Betrieb führte.
Besuch der Recyclingbörse in Herford: Austausch, Einblicke und gemeinsame Perspektiven
07.04.2026 | News, Sozialer Arbeitsmarkt



Während des Rundgangs erläuterte Claudio Vendramin nicht nur die Abläufe, sondern gab auch Einblicke in die Entwicklung der Recyclingbörse, die seit ihrer Gründung in den 1980er Jahren kontinuierlich gewachsen ist und heute mit acht Filialen fest in der Region verankert ist. Der Standort in Herford beeindruckt mit einer Gesamtfläche von rund 5.000 Quadratmetern, davon 1.600 Quadratmeter Verkaufsfläche. Angeboten wird ein breites Sortiment: Möbel, Kleidung, Elektrogeräte (geprüft und mit einem Jahr Gewährleistung), Fahrräder, Dekoartikel, Spielzeug, Bücher, Medien sowie Hausrat, Geschirr und Textilien.
Claudio Vendramin zeichnete den Weg der Ware eindrucksvoll nach: von der Abgabe über die sorgfältige Sortierung und Prüfung in den verschiedenen Abteilungen bis hin zum Verkauf. Besonders hervorzuheben sind die Fahrradwerkstatt, die Elektroprüfung, die große Textilabteilung sowie eine eigene Nähwerkstatt. Der Standort Herford fungiert zudem als zentrale Annahmestelle, von der aus Waren auch an andere Filialen weiterverteilt werden.

Neben dem ökologischen Engagement ist die Recyclingbörse auch ein wichtiger sozialer Träger. Sie bietet Arbeits- und Qualifizierungsmaßnahmen für ehemals langzeitarbeitslose Menschen an. Im Gespräch stellte Claudio Vendramin besonders das aktuelle Projekt Crema Creativ Manufaktur vor, das sich an junge Menschen unter 25 Jahren richtet, die mit psychischen Herausforderungen zu kämpfen haben. Ziel ist es, durch kreative Arbeit neue Perspektiven zu eröffnen, Selbstvertrauen zu stärken und berufliche Orientierung zu ermöglichen. Alina Simon zeigte großes Interesse an diesem Ansatz, der individuelle Unterstützung mit praktischer Tätigkeit verbindet. Gefördert wird unter anderem die Tagesstrukturierung, die psychische Stabilisierung, die Jobsuche sowie das Training grundlegender Kompetenzen für den Arbeitsmarkt.
Auch strukturelle Fragen und Herausforderungen wurden diskutiert, etwa die Organisation der Warenströme zwischen den Standorten, innovative Sammelkonzepte wie Straßensammlungen oder die Zusammenarbeit mit Kommunen im Bereich der Elektroaltgeräte. Dabei wurde deutlich, wie viel Erfahrung und Engagement in den gewachsenen Strukturen der Recyclingbörse steckt.
Neben den fachlichen Themen blieb auch Raum für die besonderen Details, die den Standort prägen. Die beiden Kaufhauskatzen, die nachts durch die Verkaufsräume streifen, sorgten ebenso für Gesprächsstoff wie das 30 Meter hohe Rotorblatt mit der Aufschrift „There is no planet B“. Dieses Kunstwerk steht sinnbildlich für die enge Verbindung der Recyclingbörse zur Kunst und zum kreativen Umgang mit Ressourcen. Ausdruck dieser Verbindung ist auch der bundesweit beachtete Recyclingdesignpreis, mit dem innovative Ideen und gestalterische Ansätze im Bereich Wiederverwendung ausgezeichnet werden.

Der Besuch bot einen umfassenden Einblick in die Arbeit eines vielseitigen Second Hand Kaufhauses und zeigte anschaulich, wie ökologische, soziale und kreative Ansätze ineinandergreifen. Für Alina Simon war es eine schöne Gelegenheit, ein Mitgliedsunternehmen vor Ort kennenzulernen und die Arbeit der Recyclingbörse Herford vor Ort zu erleben.




