Die berufliche Ausbildung gilt in Deutschland als wichtiger Schlüssel zu wirtschaftlicher Unabhängigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe. Sie eröffnet jungen Menschen einen praxisnahen Einstieg in qualifizierte Beschäftigung. Dennoch sind Jugendliche und junge Erwachsene mit Zuwanderungs- und insbesondere Fluchtgeschichte in der dualen Ausbildung nach wie vor unterrepräsentiert.
In ihrem Beitrag Berufliche Ausbildung als Königsweg zur Integration untersuchen Cornelia Schu und Mohini Lokhande die Einstiegshürden, mit denen junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte auf dem Weg in die berufliche Bildung konfrontiert sind. Sie analysieren die Ursachen der bestehenden Ungleichheiten und leiten daraus zentrale berufsbildungspolitische Handlungsansätze ab.
Ungleiche Chancen beim Berufseinstieg
Die Zahlen zeigen deutliche Unterschiede: Ausbildungsinteressierte mit Migrationshintergrund beginnen wesentlich seltener eine Berufsausbildung als Gleichaltrige ohne Migrationshintergrund. Zudem sind ihre Vertragslösungs- und Ausbildungsabbruchquoten höher, und sie bestehen Abschlussprüfungen seltener im ersten Versuch. Entsprechend sind sie häufiger arbeitslos oder verbleiben länger im Übergangssystem. Von Chancengleichheit im Ausbildungsbereich kann daher noch keine Rede sein.
Vielfältige Hürden auf dem Weg in die Ausbildung
Auf der Suche nach den Ursachen betrachten die Autorinnen zunächst die heterogene Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund und differenzieren zwischen verschiedenen Zuwanderungsbiografien. Als zentrale Einstiegshürden nennen sie unter anderem niedrigere allgemeine Schulabschlüsse sowie fehlende Kenntnisse der Eltern über das deutsche Bildungs- und Ausbildungssystem. Für neu zugewanderte und geflüchtete Menschen kommen weitere Herausforderungen hinzu: Sie benötigen zunächst eine Arbeitserlaubnis für die betrieblichen Praxisphasen, müssen die deutsche Sprache erlernen und sich im komplexen Behörden- und Bildungssystem zurechtfinden. Deshalb beginnen sie ihre Ausbildung häufig erst in einem höheren Alter.
Berufsorientierung gezielt stärken
Ein weiterer Schwerpunkt des Beitrags liegt auf der Berufsorientierung und Berufsvorbereitung. Diese müsse stärker an den Bedürfnissen der Jugendlichen und ihrer Familien ausgerichtet werden. Die Autorinnen plädieren dafür, Berufsorientierung verbindlich im Schulcurriculum zu verankern. Auch Schülerpraktika sollten nicht allein in der Verantwortung der Jugendlichen liegen, sondern durch Lehrkräfte aktiv begleitet und unterstützt werden.
Darüber hinaus sehen Schu und Lokhande großes Potenzial bei den Jugendberufsagenturen. Deren Angebote müssten junge Menschen noch besser erreichen. Ergänzend regen sie an, aufsuchende Beratungsangebote auszubauen, um insbesondere schwer erreichbare Zielgruppen frühzeitig zu unterstützen.