Wirkungsorientierung in der Arbeitsmarktpolitik: Was zählt wirklich?
04.11.2026 | Allgemein, Arbeit und Bildung, Featured, News, Sozialer Arbeitsmarkt
Wie können wir den Erfolg arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen nicht nur anhand von Zahlen und Vermittlungsquoten bewerten, sondern tatsächlich sichtbar machen, welche Veränderungen und Perspektiven für die Menschen entstehen?
Welche Bedeutung haben Qualität, individuelle Förderung und nachhaltige Teilhabe? Und wie kann Wirkungsorientierung in der Praxis gelingen, ohne die komplexen Rahmenbedingungen der Arbeitsmarktpolitik aus dem Blick zu verlieren?
Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten wir uns am 29. Oktober 2026 bei unserer gemeinsamen Jahrestagung von bag arbeit, EFAS und Diakonie Deutschland in den Hoffmanns Höfen in Frankfurt am Main.
Angesichts knapper öffentlicher Haushalte, wachsender Anforderungen an soziale Dienstleistungen und sich verändernder arbeitsmarktpolitischer Rahmenbedingungen gewinnt die Frage nach der Wirksamkeit von Maßnahmen zunehmend an Bedeutung. Öffentliche Mittel sollen möglichst zielgerichtet eingesetzt werden. Gleichzeitig muss es darum gehen, die individuellen Lebenslagen der Menschen zu berücksichtigen, Teilhabe zu ermöglichen und langfristige Perspektiven zu schaffen.
Doch was bedeutet Wirkung eigentlich? Wie kann sie erfasst, bewertet und kommuniziert werden? Und wie lassen sich Wirkungsorientierung, fachliche Qualität und die Anforderungen an die praktische Umsetzung sinnvoll miteinander verbinden?
Vielfältige Perspektiven aus Politik, Wissenschaft und Praxis
Das Programm unserer Jahrestagung bot unterschiedliche Zugänge zum Thema und machte deutlich, wie vielschichtig die Auseinandersetzung mit Wirkungsorientierung ist.
Den Auftakt bildete die Einordnung von Wirkungsorientierung im Spannungsfeld unterschiedlicher Rahmenbedingungen und ihrer Bedeutung für die Zukunft der Arbeitsmarktpolitik.
Anschließend standen zwei fachliche Impulse im Mittelpunkt:
- Wirkungsorientierte Steuerung in der Stadt Mannheim: Dr. Jens Hildebrandt zeigte auf, welche Chancen und Potenziale eine wirkungsorientierte Steuerung für Zielgruppen, Kommunen und Träger eröffnen kann.
- Evaluation arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen: Laila Schmitt vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gab Einblicke in Erfahrungen, Herausforderungen und Potenziale der wissenschaftlichen Evaluation.
Wie vielfältig Wirkungsorientierung bereits heute in der Praxis umgesetzt wird, zeigten insbesondere die anschließenden Praxisforen. Die Themen reichten von der Wirkungsanalyse in Inklusionsunternehmen und der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit über wirkungsorientierte Steuerungskonzepte bis hin zur Entwicklung von Wirkungsindikatoren im beruflichen Coaching.
Auch innovative Ansätze wurden diskutiert: So beschäftigten sich weitere Praxisforen mit Collective Impact und wirkungsorientierten Übergängen von der Schule in den Beruf, mit dem Einsatz von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz in der Wirkungsanalyse sowie mit Social Impact Bonds als möglichen Lösungsansätzen für soziale Herausforderungen.
Die unterschiedlichen Beispiele machten deutlich: Wirkungsorientierung ist kein einheitliches Konzept, das sich überall gleichermaßen anwenden lässt. Vielmehr braucht es differenzierte Ansätze, die den jeweiligen Zielgruppen, Arbeitsfeldern und institutionellen Rahmenbedingungen gerecht werden.
Von der Analyse zur konkreten Umsetzung
Ein weiterer wichtiger Programmpunkt war der Werkstattbericht von Jens Lee (Pro Arbeit-Kreis Offenbach – AöR) zur Wirkungsanalyse in Maßnahmen. Hier rückten die praktischen Erfahrungen und Herausforderungen bei der Erfassung und Bewertung von Wirkungen in den Mittelpunkt.
Den Abschluss des fachlichen Programms bildete die Podiumsdiskussion unter dem Titel:
„Wirksamkeit trotz Komplexität – Messbar, glaubwürdig, finanzierbar?“
Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Praxis wurden zentrale Fragestellungen der Tagung noch einmal aufgegriffen und aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.
Dabei ging es insbesondere um die Frage, wie sich Wirkung nachvollziehbar messen lässt, welche Aussagekraft entsprechende Kennzahlen tatsächlich haben und wie sich Qualität und nachhaltige Erfolge angemessen berücksichtigen lassen. Ebenso wurde diskutiert, welche Voraussetzungen notwendig sind, damit wirkungsorientierte Ansätze nicht nur konzeptionell überzeugen, sondern auch unter den realen finanziellen und strukturellen Bedingungen umgesetzt werden können.
Was nehmen wir aus der Jahrestagung mit?
Die Diskussionen und Praxisbeispiele haben gezeigt, dass Wirkungsorientierung große Chancen bietet, zugleich aber auch anspruchsvolle Fragen aufwirft. Eine wirksame Arbeitsmarktpolitik braucht mehr als messbare Ergebnisse. Sie muss unterschiedliche Ausgangslagen berücksichtigen, individuelle Entwicklung ermöglichen und nachhaltige Veränderungen in den Blick nehmen.
Wirkungsmessung kann dabei wichtige Orientierung geben. Sie sollte jedoch nicht zum Selbstzweck werden oder die Qualität sozialer Arbeit auf einzelne Kennzahlen reduzieren. Entscheidend ist vielmehr, wie Erkenntnisse aus Evaluation und Praxis genutzt werden können, um Angebote weiterzuentwickeln, Ressourcen sinnvoll einzusetzen und die Teilhabechancen von Menschen nachhaltig zu verbessern.
Die Jahrestagung hat hierfür wichtige Impulse geliefert und einmal mehr gezeigt, wie wertvoll der Austausch zwischen Politik, Wissenschaft und Praxis ist.
Ein herzliches Dankeschön an alle Referentinnen und Referenten, Podiumsgäste sowie Teilnehmenden für ihre fachlichen Beiträge, vielfältigen Perspektiven und den offenen, konstruktiven Austausch.
Besonders bedanken möchten wir uns bei:
Dr. Jens Hildebrandt (Arbeit und Soziales, Stadt Mannheim), Laila Schmitt (IAB), Jens Lee (Pro Arbeit-Kreis Offenbach – AöR), Prof. Dr. Armin Grau (MdB, Bündnis 90/Die Grünen), Matthias Körner (MdL, SPD, Hessischer Landtag), Barbara Klamt (EJSA Bayern und Vorstand EFAS) sowie Elena Weber (Diakonie Deutschland).
Ebenso gilt unser Dank unseren Kooperationspartnern EFAS und Diakonie Deutschland für die gemeinsame Vorbereitung und Gestaltung dieser Jahrestagung.
Wir nehmen zahlreiche Denkanstöße, neue Perspektiven und konkrete Impulse für unsere weitere Arbeit mit. Die Auseinandersetzung mit Wirkungsorientierung bleibt eine wichtige gemeinsame Aufgabe – damit Arbeitsmarktpolitik nicht nur gut gemeint, sondern auch nachhaltig wirksam gestaltet wird.
Wir freuen uns auf die Fortsetzung des Austauschs!
Getagt mit Arbeit & Soziales, Arbeitsförderung, Arbeitsmarktintegration, Arbeitsmarktpolitik, BA, Barbara Klamt, Beschäftigung, Bundesagentur für Arbeit, Diakonie Deutschland, Dr. Jens Hildebrandt, EFAS, Elena Weber, Evaluation, IAB-Studie, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Integrations- und Sprachkurse, Jahrestagung, Jens Lee, Jobcenter, Matthias Körner, Pro Arbeit-Kreis, Prof. Dr. Armin Grau, Qualifizierung, SGB II, Soziale Unternehmen, Sozialer Träger, Sozialpolitik, Sozialwirtschaft, Wirkungsorientierung



